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Turbinen, Schleusen und Wehre bedrohen Tierwelt - Dokumentation des Fischereiverbands. Wasserkraft liefert zwar saubere Energie, aber viele Lebewesen müssen deshalb grausam sterben. Der Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg will das nicht länger hinnehmen.
Die Jagst liefert  für Michael Schramm den vorerst letzten Beweis, dass in Baden-Württembergs Flüssen "die Ökologie auf der Strecke bleibt''. Dem 188 Kilometer langen Fluss bescheinigt der Geschäftsführer des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg (VfG) eine "schlechte Bilanz'', was die "biologische Durchgängigkeit'' betrifft: Insgesamt 61 Wasserkraftwerke, Mühlen und andere Hindernisse versperren Fischen und  anderen Wassertieren den Weg. Viel zu viele, meinen Schramm und seine Kollegen, und sie wollen das ändern. In den nächsten acht Jahren will der VfG eine landesweite Bestandsaufnahme derartiger Gewässerverbauungen machen und "eine Renaturierung an vielen Stellen'' fordern.

Um den Wasserlebewesen im Südwesten zu helfen, müssen nach Ansicht Schramms zahlreiche "bestehende Schandtaten'' der  Menschen beseitigt oder zumindest entschärft werden. "Wir streben eine Ökologisierung und Renaturierung an vielen Stellen an'', sagt der promovierte Fischereibiologe. Er fordert "ein sensibleres Vorgehen bei  der Neuzulassung von Wasserkraftwerken''. Außerdem werde der Abbau von "heutzutage oft sinnlosen Hindernissen'' und Wasserkraftwerken angestrebt.
Der größte regionale Fischereiverband des Landes ist das Sprachrohr von 325 Vereinen mit mehr als 23000 Mitgliedern in den Regierungsbezirken Stuttgart, Tübingen und Karlsruhe. Die Angler freuen sich zwar, dass die Wasserqualität in den meisten Gewässern wieder besser  geworden ist, aber viele bedrohte Tierarten können trotzdem darin nicht wieder heimisch werden. Der Grund: Turbinen, Stauwehre und Schleusen lassen eine Wanderung häufig nicht einmal mehr stromabwärts zu.

"Man sieht das Gemetzel unter Wasser nicht'', klagt Michael Schramm, "fast der ganze abwandernde Bestand an Fischen und Aalen wird zerhackt.'' Nach den Erkenntnissen der Angler erreichen beispielsweise nur ein Prozent  der Aale aus dem oberen Neckar unverletzt den Rhein. Die übrigen sterben an inneren Blutungen, geplatzten Organen und anderen Verletzungen, die sie auf dem Weg durch Wehre und Wasserkraftwerke erlitten haben. Das Gleiche gilt für Wanderfische wie Lachs, Maifisch oder Flussneunauge. Selbst die Energieversorger geben zu, dass ein einziges Wasserkraftwerk bis zu einem Drittel der Unterwasser-Wanderer tötet. Die VfG-Verbandsversammlung hat deshalb schon 1998 angekündigt, dagegen auf die Barrikaden zu gehen. Bis zum Jahr 2009, so lautet der heute noch gültige Beschluss, sollten "alle Aufstiegshindernisse beseitigt werden oder entsprechend dem Stand der Technik und Wissenschaft umgebaut sein''. Um das zu bewirken, haben Ehrenamtliche aus den Vereinen bis jetzt alle Bauwerke in den Flüssen Neckar, Würm, Elsenz, Brenz, Steinach, Tauber, Pfinz und Jagst untersucht und jedes Wehr fotografiert. Die Aktion soll so lange fortgesetzt werden, bis eine landesweite Dokumentation über die "biologische Durchgängigkeit'' der Gewässer erarbeitet ist. "Andere Bundesländer haben Statistiken'', begründet der VfG-Geschäftsführer Schramm den Aufwand, "aber in Baden-Württemberg weiß keiner, wie viele Wasserkraftwerke es überhaupt gibt.'' Er und seine Kollegen  schätzen die Zahl auf weit mehr als tausend.

Dass die Regierungspräsidien schon viele Fischrampen gebaut haben, bestreiten die Angler nicht. Ausreichend sind die Hilfen für die bedrängten Wassertiere freilich nach  ihrer Ansicht keineswegs. Alljährlich, sagt Schramm, gebe das Land 70 Millionen Mark für Kläranlagen aus, weitere 30 Millionen für Schleusensanierung. Angesichts dieser Zahlen werde für die Fische zu wenig getan. "Da sind die wirtschaftlichen Interessen zu stark'', meint er. "Alternativen sind zur Hand, aber es ist politisch nicht gewollt, das Wassergesetz konsequent durchzusetzen.''
                                                                                       Wieland Schmid, Stuttgarter Zeitung vom 3.5.2001