Foto des Monats Februar: Impressionen vom See Unterfahlheim (größer)

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Karpfenangeln: Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen

Bevor ich meine Erfahrungen zum Angeln auf Karpfen versuche in Worte zu fassen, möchte ich einige Punkte mitteilen, die mir wichtig sind: Was passiert nach dem Biss? Bekomme ich den Fisch mit meinem Gerät überhaupt zu meinem Kescher? Was geschieht mit dem Fisch während des Drills oder nach einem Schnurbruch (Abriss)?

Einen Aspekt möchte ich betreffend der Platzwahl ansprechen. Nicht an jedem Platz, an dem Fische beißen, kann ich auch Fische fangen bzw. keschern. An vielen Plätzen ist es einfach zu riskant. Bojen, versunkenes Holz, Hindernisse, schlechte Uferbeschaffenheit führen dazu, dass man Fische verlieren kann. Die schwimmen dann – nach einem Abriss -  mit vielen Metern Schnur und der Montage und warten darauf, dass sich das Zeug verfängt und sie jämmerlich zu Grunde gehen. Wenn man hier die Platzwahl vernünftig gestaltet und die Fische dorthin füttert, wo es sicher ist, und zudem seine Montage so ausführt, dass sich das Blei einfach löst, dann kann der Fisch auch nach einem Schnurbruch überleben.

Die Fische stehen direkt im Holz - keine aussichtsreiche Angelstelle

Dieser Platz ist frei von Hindernissen; also besser hier postieren

Es sind oft Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. So ist es bei den Vereinsgewässern mit Ausnahme des Neckars so, dass die Fische ziemlich weiche Mäuler haben. Wenn man hier dünndrähtige Haken einsetzt, gibt es selbst bei einem normalen Drill hässliche Risse oder Schlitzer im Karpfenmaul. Diese Wunden sind durch dickere Haken vermeidbar. Dass diese dickdrähtigen Haken genauso scharf sind, muss ich nicht erwähnen, da die Spitzen alle chemisch geschärft sind.
Eine absolute Sauerei sind aus meiner Sicht BentHooks. Das sind Haken, die unbestritten prima haken. Das tun andere Haken aber auch. Nur verursachen BentHooks hässliche Wunden durch einen Hebeleffekt während des Drills. Unter den seriösen Anglern sind diese Dinger mittlerweile verpönt. Diese Haken müssen wahrlich nicht sein. Man kann diesen Effekt, dass sich der Haken bzw. die Hakenspitze nach unten dreht, durch Silikon- oder Schrumpfschlauch sehr gut erreichen. Nur gibt der Schlauch im Drill einfach nach und der Fisch bleibt unverletzt. Ein weiterer Punkt hierbei ist, dass die Gefahr des Ausschlitzens bei  BentHooks deutlich größer ist, als bei herkömmlichen Haken. Und wer will schon seinen Traumfisch nicht nur verlieren sondern zudem noch entstellen.


Boilies sind prima - aber andere Köder sind auch gut.
Zum Thema Futter ist schon sehr viel geschrieben und veröffentlicht worden, speziell zum Kapitel Boilies. Ich habe in allen Vereinsgewässern auf Boilies Bisse bekommen, und auch Fische gefangen. Was ich aber auch ganz klar sagen möchte, ist, dass alternative Köder auch - und nicht nur manchmal - deutlich besser Karpfen fangen.

So habe ich es schon erlebt, dass Vereinskameraden auf Wurm oder Mais schöne Karpfen an den Haken bekamen und auf Boilies nichts ging. Auch ist es so, dass aus einer  weichen Teigkugel die Inhaltsstoffe deutlich besser entweichen können als aus einem Boilie, was dazu führt, dass der Teig wesentlich besser lockt.

Von der Köderzusammensetzung bzw. den Inhaltsstoffen ist ein Wurm oder eine Muschel einem Boilie deutlich überlegen. Zudem werden diese Köder bei richtiger Präsentation um Welten argloser von den Fischen eingesaugt.

Den großen und ungeschlagenen Vorteil der Boilies sehe ich in seiner Selektivität. Auf einen Boilie in entsprechender Größe fängt man einfach keine kleinen Fische. Zudem bleibt der Köder bis zum Anbiss quasi unverändert.

Ein ständiges Erneuern oder Kontrollieren entfällt hier. Das hat beim Nachtfischen deutliche Vorteile (dort, wo erlaubt!).

Typische Karpfenmontage

Fische “rollen” am Futterplatz

Teigkugel um “Spirale um Haar” und Schrumpfschlauch

Boilies in unterschiedlichen Größen

Boilies mit groben Bestandteilen

Zur meist verwendeten Festblei- oder Selbsthakmontage möchte ich einen Punkt anmerken. Diese Montage wird so oft als Wunder bezeichnet. Wer schon einmal mit der Pose gefischt hat, der weiß, dass man die kleinste Aktivität am Köder sieht. An der Pose schwebt der Köder frei in alle Richtungen und verhält sich vollkommen natürlich. Wenn man sich überlegt, wie sich der Boilie an der Festbleimontage (80gr und mehr) in einem Fluss verhält, dann stellt man fest, dass der flussaufwärts schwimmende Fisch, den Köder nicht zu sich saugen kann. Das ist nicht natürlich.

Natur genießen
Aber: Wer sitzt stundenlang am Neckar und starrt auf seinen Schwimmer? Wer sitzt nachts mit der Leuchtpose am Wasser? Das Angeln mit elektronischen Bissanzeigern ist ein weitere Punkt, den man aus meiner Sicht näher beleuchten sollte. Wie fest muss der Fisch den Köder nehmen, damit die Schnur von der Rolle rennt? Wenn man hier den Vergleich mit der Pose anstellt, dann vergleicht man einen Betonmischer mit einem Uhrmacher.
Was will das heißen? Das Karpfenangeln mit Boilie, Festblei und Bißanzeiger hat mit Sicherheit und unbestritten seine Vorteile. Es ist aber nicht die Angelei, auf die man neidisch sein müsste. Nein, es ist eine Fischerei mit vielen Kompromissen und Abstrichen. Aber es ist eine Fischerei, bei der man neben den Ruten entspannen und die Zeit bis zum nächsten Biss in der Natur genießen kann.

Zurück zum Boilie: Ein weiterer schöner Nebeneffekt beim Boilie ist, dass man sich seinen eigenen und ganz speziellen Köder zaubern kann. Die Auswahl an Zutaten ist quasi unbegrenzt. Verarbeiten lässt sich so gut wie alles. Dass man hier die Ködergröße und -form ebenfalls ganz nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann, sollte jedem, der als Kind mit Knete gespielt hat, klar sein. 

Köder: Hartmais (3 Tg. eingew. u. gekocht)

Köder: Selbstgemachter Teig

Köder: Boilie

Die Menge des Futters hängt von vielen Randbedingungen ab. Für unsere Vereinsgewässer – so denke ich – kann man sagen, dass es selten zu viel sein kann. Viel bringt viel, manchmal zu viel kleine Karpfen. Aber wenn man mal mehr als die übliche Dose Mais oder die 100gr Boilies oder Frolic verwendet, dann kann sich das schon auszahlen. Im Sommer genügen in den Fließgewässern jedoch kleine Mengen Futter. Die Gewässer sind voll von natürlicher Nahrung. Unser Futter muss hier den leckeren Nachtisch darstellen. Wenn wir es hier schaffen, dass die Karpfen Appetit auf den Köder bekommen, dann fängt man auch in der Zeit des Überflusses an natürlicher Nahrung.

Ganz wichtig ist aber, dass das Futter gut bzw. frisch ist. Altes oder schwer verdauliches Futter lassen die Fische liegen. Wenn die Fische da sind, dann gibt es zumindest bei Karpfen nie zu viel Futter. Fakt ist: Sie fressen den Platz leer und ziehen dann weiter. Ein Karpfen hat keinen Magen sondern nur einen langen Darm. Da geht es vorne rein und hinten raus. Ich habe mal den Versuch unternommen, an den Seen – auf Sichtweite - die Fische mit ca. 10 ... 15kg Mais, Hanf, Erbsen, ... am Platz zu halten. An beiden Seen war das Futter nach dem Eintreffen der ersten Karpfen in weniger als einer Stunde weg. Total weg!

In unseren Gewässer schwimmen so viele unterschiedliche Fische, die einen immer wieder überraschen. Das Spektrum reicht von einem besonders schönen Schuppenkleid über eine prächtige Farbgebung bis hin zu markanten Körperformen. Ich denke, dass die Hübschen so manches „ausbaufähige“ Gewicht entschädigen.

Selbstverständlich gibt es aber auch schöne Fische mit etwas mehr auf den Rippen. Ich hätte so gerne entsprechende Bilder diesem Bericht beigefügt, aber leider war es mir bisher nicht vergönnt, einen der wirklich Großen zu fangen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es diese in den Vereinsgewässern gibt. Falls es einen von Euch gibt, dem dieses Glück zuteil wurde, dann würde sicher nicht nur ich mich freuen, wenn man das Bildchen in einem Fangbericht auf der Homepage finden könnte.

Grüße & bei allen Wettern immer tolle Bisse wünscht
Stefan Sandmaier

....ohne Worte....(Donau-Impression)

Karpfenangeln am Kältelimit

Karpfenangeln bei Regen