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Von Fachleuten empfohlen: Fisch aus dem Neckar Gute Wasserqualität beschert dem Fluss einen großen Artenreichtum -
Kaum noch Schwermetalle
Von Christian Dörmann
Fisch aus dem Neckar auf den Tisch? Da wendet sich der ernährungsbewusste Genießer mit
Grausen - allerdings aus Unkenntnis. Immerhin hat sich seit Ende der 70er-Jahre die Zahl der Fischarten im Neckar nahezu verdoppelt und das spricht für gute Wasserqualität. Von
Schwermetallbelastung kann kaum noch die Rede sein. Auch Analysen der Universität Hohenheim bestätigen, dass die Schadstoffbelastung von Fischen aus dem Esslinger Neckarabschnitt deutlich
unter den zulässigen Grenzwerten liegt. Hubert Wnuck von der Stuttgarter Fischereibehörde hat es erst kürzlich während eines Umweltseminars bestätigt: "Die Neckarfische sind wieder
genießbar und schmecken gut." Und auch der Vorsitzende des Esslinger Fischereivereins, Edward-Errol Jaffke, bricht eine Lanze für Forelle, Zander, Hecht, Karpfen und
Co. aus dem heimischen Fließgewässer: "Die Fische kann man getrost essen und geschmacklich sind sie gut."
Im Neckarabschnitt zwischen Plochingen und Stuttgarter Hafen, der vom Fischereiverein Esslingen
betreut wird, bewegt sich die Wasserqualität im Bereich der Güteklasse 2. Damit ist eine geringe bis mäßige Belastung gemeint, das Wasser ist nährstoffreich und sorgt so für einen artenreichen
Fischbestand. Noch vor drei Jahren hatte die Gewässergüte mehr in Richtung 3 (stark verschmutzt) tendiert - moderne Klärwerkstechnik und umweltfreundlichere Waschmittel haben
die Sache zum Besseren gewendet. Der Wert 2 mit Tendenz zu 1 (weitgehend unbelastet) wird im Schnitt gehalten, obwohl von den Straßen bei kräftigen Regengüssen Reifenabrieb und Öl in den
Fluss gelangt. "Aber da gibt es nur noch wenige Ausreißer", weiß Jaffke und auch die Schwermetallbelastung sei insgesamt gering. Lediglich am Neckar-Einlauf des Altarms gibt
es Probleme. Jaffke vermutet, dass sich im Schlamm Schwermetalle früherer Industriebetriebe eingenistet haben und den Schilfgürtel schädigen. In einer gemeinsamen Aktion wollen Fischer,
Naturschutzbund und Jäger dafür sorgen, dass der Schlamm herausgebaggert wird.
Auch Renaturierung trägt zur besseren Wasserqualität bei. Das zeigt sich am Beispiel der Körsch.
Von dort aus komme fast nichts Schädliches mehr im Neckar an, sagt Jaffke. Überdies sorgt das neue Flughafenklärwerk dafür, dass sich in der Körsch auch die empfindlichen Bachforellen pudelwohl fühlen.
Heute werden im Neckar wieder 42 Fischarten festgestellt. Das sind etwa ebenso viele wie vor
der Industrialisierung und dem Ausbau des Flusses zu einer Schifffahrtsstraße. Doch die Arten setzen sich anders zusammen als früher. Heute dominieren im schiffbaren Neckar Fische, die
eher für Seen typisch sind: Karpfen, Brachsen, Hechte, Zander oder Schleien. Dabei entwickeln sich die Brachsen fast schon zu einer Plage. Auch Welsen bietet der Fluss ein gutes Lebensumfeld.
Jaffke: "Exemplare von 1,20 Meter sind schon fast kein Thema mehr." Die strömungsliebenden Arten wie Hasel, Schneider, Bachsaibling, Barbe, Nase, Bach- und Regenbogenforelle, Äsche,
Mühlkoppe, Schmerle und Elritze wandern meist aus den Nebenflüssen in den Neckar, laichen dort jedoch wegen der fehlenden Substrate nicht ab. Aus der Körsch zum Beispiel findet nicht
nur der robuste amerikanische " Einwanderer" - die Regenbogenforelle - ihren Weg in den Neckar, sondern auch die heimische und wesentlich anfälligere Bachforelle.
Eine bessere Wasserqualität und eine reichere Fischfauna haben freilich ihren Preis.
Dafür sind millionenschwere Investitionen in Klärwerke und Renaturierungen nötig, überdies sorgen die Fischereivereine mit teuren Besatzmaßnahmen für Artenvielfalt.
Da mutet es schon fast anachronistisch an, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt Stuttgart die Fischereischeine zum Jahreswechsel verteuern will - eben der besseren Qualität und Artenvielfalt wegen.
Aus der Esslinger Zeitung vom 17.8.2001, Seite 1 und 3
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