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Rede von Christa Vossschulte, CDU, Landtagsabgeordnete des Kreises Esslingen und Vizepräsidentin des Landtags von Baden-Württemberg
anlässlich der Jubliäumsfeier “90 Jahre Fischereiverein Esslingen
„„Heimliche Champions“ – dieser Begriff hat in der Sprache der Ökonomen Karriere gemacht. Er beschreibt
Unternehmen, die in ihrem Metier Marktführer sind, deren Namen aber bloß Eingeweihte kennen. So gesehen ist der Fischereiverein Esslingen ein „heimlicher Champion“ des Natur und Artenschutzes. Denn
ein Epos in der Länge der Wagner-Oper käme heraus, wollte man umfassend rühmen, was er speziell in den letzten drei Jahrzehnten geleistet hat – für „unseren“ Neckar und für die Bäche in
unserer Stadt. Nur wer von uns 91.400 Esslingerinnen und Esslinger weiß das? Der Fischereiverein Esslingen gehört wahrlich nicht zu jenen Scheinriesen und Selbstdarstellern, die nach dem
vordergründigen Rezept handeln: „Tue ein klein bisschen Gutes und rede unendlich viel darüber“. Sie, lieber Herr Jaffke, und Ihre Mitglieder lassen am liebsten ihre mannigfaltigen Taten für sich
sprechen – trotz Gefahr, dass Sie deshalb unterschätzt werden. Deshalb drängt es mich heute zuvörderst, dem Fischereiverein Esslingen ein Wort zu sagen, das er im Alltag fast nie hört: das Wort
„danke“. Wirklich – und sehr politisch gemeint: Herzlichen Dank für das enorme Engagement am Wasser, im Wasser, zu Gunsten des Wassers! Herzlichen Dank für den passionierten Einsatz, der unserer
Umwelt und damit uns allen dient!
“Der Fischereiverein Esslingen bewahrt die Schöpfung” Unsere Wasser sind faszinierende Lebensräume. Der Fischereiverein Esslingen kümmert sich
darum – mit sämtlichen Facetten, die der leider altmodisch klingende Begriff „kümmern“ beinhaltet: Kompetenz, Ausdauer, Idealismus; aber ebenso die Abgeklärtheit, dass gut gemeint und gut
gemacht häufig zwei paar Stiefel sind. Im Fischereiverein Esslingen aktiv zu sein, ist kein gleichförmiges Hobby. Es ist an vielen Stellen schöpferisches Tun. Und zwar „schöpferisch“ nicht
bloß in der Bedeutung von Kreativität beim Austüfteln maßgeschneiderter Lösungen für praktische Probleme. Nein, „schöpferisch“ in höherem Sinn: Der Fischereiverein Esslingen bewahrt die
Schöpfung – namentlich, indem er sie unter großen Mühen zeitgemäß wiederherstellt.
Man kann nicht oft genug betonen: Der Artenreichtum in „unserem“ einst arg belasteten und
geschundenen Neckar ist wieder so hoch wie vor der Industrialisierung! Und der Fischereiverein Esslingen hat daran in seinem Revier einen groĂźen Anteil. Plakativer formuliert: Der Fischereiverein
Esslingen gehört zum Repartur- und Serviceteam unseres Herrgotts. Ja, wir würdigen heute ein - buchstäbliche – gottesgefälliges Tun. Nicht nur, weil in zwei Wochen Ostern ist, sei daran
erinnert: Jesus rekrutierte seine Jünger aus der Fischer-Zunft am See Genezareth. Und: Die Speisung der Fünftausend bestand aus Brot – und Fisch!
Weltlicher gesprochen: Der Homo sapiens hat seine Karriere als Jäger, Sammler und Fischer begonnen. Sie, lieber Herr Jaffke, und Ihre
Mitglieder – stehen folglich in der Tradition einer menschlichen Kulturtechnik, die nicht 90 Jahre, sondern 90.000 Jahre alt ist. Aber Sie sind keine lebenden Fossilien. Das verantwortungsbewusste
Fischen und Angeln zählt zu den Urformen dessen, was wir heute „schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen“ oder kurz „Nachhaltigkeit“ nennen. Als Gemeinschaft kundiger, sensibler
Treuhänder der Flora und Fauna war und ist der Fischereiverein Esslingen eine Keimzelle der Nachdenklichkeit und des Fortschritts. Das gewachsene und vererbte Wissen der Fischer und die modernen
Erkenntnisse der Ökologie bestätigen sich wechselseitig, denn Mensch und Natur haben dasselbe Schicksal. Wie wir mit der Natur umgehen, das fällt auf uns zurück. Wenn wir die von der Schöpfung
gesetzten Grenzen überschreiten, wehrt sich die Natur zurück. Auf Dauer wird es sehr teuer, gegen die Gesetzmäßigkeiten der Natur zu handeln. So zeigt Fisch aus heimischen Gewässern exemplarisch den
Zusammenhang zwischen intaktem Lebensraum und gesunden, schmackhaften Lebensmitteln.
Angler und Fischer möchten etwas ködern, das in der Pfanne, im Kochtopf oder auf dem Grill endet. Aber sie sind keine blutigen
Walfänger. Sie beuten nicht natürliche Ressourcen gierig aus. Und sie zählen nicht zu den Outdoor-Freaks, die unsere Landschaft zum Hindernisparcours oder zum Sportgerät degradieren. Angler und
Fischer nutzen unsere Gewässer auf ethisch unbedenkliche Weise! Der Fischereiverein Esslingen und seine Pendants überall im Land haben deswegen unser politisches Vertrauen verdient.
“Vernüftiges Regulieren tut not” Wir alle denken dabei zunächst an das Stichwort „Kormorane“. Niemand möchte den Kormoran ausrotten. Nicht der Kormoran ist das Problem, sondern der
außer Kontrolle geratene Bestand. Es geht darum, eine echte Koexistenz zu gestalten. Die Schäden dürfen nicht klein geredet werden, zumal sich Fischbestände – ungeachtet aller moderner
Nachhilfemethoden – bloß langsam erholen. Vernünftiges Regulieren tut not. Dogmatische Einseitigkeit und kindliches Verklären helfen nicht weiter: Die Natur und ihr unerlässliches Gleichgewicht
funktionieren anders! Die Regenerationsfähigkeit der heimischen Fischarten ist ein hohes Gut. Sie intensiver zu sichern ist nicht verwerflich. Die Landesregierung möchte deshalb den Abschuss von
Kormoranen zwischen August und März erlauben. Ein wissenschaftlich fundierter Verordnungsentwurf liegt dafür vor. Ich bin Mutes, dass er juristisch nicht aus den Angeln gehoben werden kann. Allerdings
rate ich auch, vor Ort jede Chance zu ergreifen, partnerschaftlich eine sinnvolle Balance herzustellen. Die „organisierten“ Fischer und Angler sind keine egoistischen Lobbyisten. Sie fühlen sich dem
Gemeinwohl verpflichtet. Das hat die Landespolitik in der jĂĽngsten Vergangenheit erneut anerkannt.
Abschließend greife ich noch einmal auf die Bibel zurück – auf Römer 13, Vers 7, wo es
heißt: „Ehre, dem Ehre gebührt.“ Und dem Fischereiverein Esslingen gebührt – auch politisch – unsere Hochachtung! Herzlichen Glücklwunsch zum 90jährigen Bestehen! Und ein aufrichtiges
„Petri Heil“ führ die nächste Etappe hin zum noch markanteren Jubiläum in zehn Jahren!“
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